Bullet Journal starten: Dein Anfänger-Guide
Bullet Journal starten — so gehts wirklich (ein ehrlicher Anfänger-Guide)
Wer auf Pinterest «Bullet Journal» eingibt, bekommt Seiten voller perfekt gestalteter Spreads mit Aquarellblumen, Kalligrafie-Überschriften und farbcodierten Trackern. Das sieht wunderschön aus — und schreckt gleichzeitig ab. Denn wer hat schon drei Stunden pro Woche, um sein Notizbuch zu dekorieren?
Die gute Nachricht: Ein Bullet Journal muss nicht so aussehen. Im Kern ist ein BuJo nichts anderes als ein flexibles System, um deinen Alltag zu organisieren — mit einem Notizbuch und einem Stift. Nicht mehr. Die kreative Gestaltung ist ein schöner Bonus, aber kein Muss.
Ich bin Nicole und führe seit über zehn Jahren meinstift.ch, den Schweizer Online-Shop für Stifte und Kreativbedarf. Wir haben über 20 Bullet-Journal-Produkte im Sortiment und ich höre jeden Tag von Kundinnen und Kunden, die mit dem Bullet Journaling anfangen möchten — aber nicht wissen, wo. Genau dafür ist dieser Guide.

Was ist ein Bullet Journal — und warum funktioniert es?
Das Bullet Journal wurde von Ryder Carroll erfunden — einem New Yorker Designer, der nach einem analogen System suchte, um seine Gedanken zu ordnen. Seine Idee: Statt fertige Planer mit vorgedruckten Wochen zu kaufen, gestaltest du dein eigenes System. Seite für Seite, so wie du es brauchst.
Das Herzstück ist das sogenannte Rapid Logging — eine minimalistische Art, Aufgaben, Termine und Notizen mit einfachen Symbolen festzuhalten. Ein Punkt für eine Aufgabe, ein Kreis für einen Termin, ein Strich für eine Notiz. Mehr braucht es nicht.
Warum das funktioniert? Weil du beim Schreiben mit der Hand bewusster mit deinen Aufgaben umgehst als beim Tippen in eine App. Du entscheidest jeden Tag neu, was wirklich wichtig ist. Statt endloser To-do-Listen, die sich nie leeren, arbeitest du mit einem System, das sich deinem Leben anpasst — und nicht umgekehrt.
Ob du das BuJo minimalistisch nutzt oder kreativ gestaltest, ist dabei komplett dir überlassen. Beides ist richtig.
Welches Notizbuch für dein Bullet Journal?
Die wichtigste Entscheidung am Anfang ist das Notizbuch. Und hier gibt es tatsächlich Unterschiede, die sich im Alltag bemerkbar machen.
Dotted, liniert oder blank? Für Bullet Journaling hat sich Dotted (gepunktet) durchgesetzt — und das aus gutem Grund. Die feinen Punkte geben dir Orientierung für gerade Linien und Tabellen, stören aber nicht, wenn du frei zeichnen oder schreiben willst. Linierte Seiten sind zu starr, blanke Seiten bieten zu wenig Halt.
Papiergewicht zählt. Wenn du nur mit Fineliner schreibst, reichen 80 g/m² völlig aus. Sobald du aber mit Filzstiften, Markern oder Brush Pens arbeitest, wird dünnes Papier zum Problem: Die Farbe scheint durch (Ghosting) oder blutet sogar auf die Rückseite. Ab 120 g/m² bist du auf der sicheren Seite.
Drei Notizbücher, die wir aus Erfahrung empfehlen können:
Das Leuchtturm1917 Bullet Journal Edition 2 ist der Klassiker. Nummerierte Seiten, Inhaltsverzeichnis, 120 g/m² Papier, Stickerbogen mit Wochentagen und Monaten — alles schon eingebaut. Es wurde gemeinsam mit der internationalen BuJo-Community entwickelt und ist der meistverkaufte Bullet-Journal-Begleiter weltweit.
Wer mit Markern oder Brush Pens arbeitet, greift zum Leuchtturm1917 Edition 120G. Das extra-dicke 120 g/m² Papier verhindert Durchscheinen zuverlässig — selbst bei Alkoholmarkern.
Und für alle, die auf Nachhaltigkeit achten: Das naturalNote Bullet Journal aus Apfelleder wird in der Schweiz aus Apfelresten hergestellt. Dotted, A5, und fühlt sich wirklich besonders an.

Welche Stifte brauchst du wirklich?
Auch hier gilt: Weniger ist am Anfang mehr. Du brauchst genau einen guten Stift, um loszulegen. Alles andere kommt mit der Zeit.
Ein Fineliner zum Schreiben. Der Sakura Pigma Micron ist seit Jahren der Favorit in der BuJo-Community — und das zurecht. Die Tinte ist archivfest, wasserfest nach dem Trocknen und blutet nicht durch. In 0.3 mm oder 0.5 mm hast du einen Allrounder für Text und feine Linien.
Farbe für Überschriften und Akzente. Hier kommen die Zebra Mildliner ins Spiel. Die Pastell-Textmarker sind sanft genug, um nicht zu dominieren, und haben eine Doppelspitze (breit + fein). Wir haben sie ausführlich in unserem Mildliner-Test getestet — sie sind perfekt fürs BuJo. Für den Anfang reicht ein 5er Set in deiner Lieblingspalette.
Optional: Ein Brush Pen für Überschriften. Wenn du Lust auf Handlettering hast, ist der Tombow Fudenosuke ein günstiger Einstieg. Die harte Spitze verzeiht Anfängerfehler besser als weiche Brush Pens.
Oder gleich alles zusammen? Unser eigenes Bullet Journal Einsteiger Set enthält ein Leuchtturm1917-Notizbuch und passende Stifte — damit kannst du sofort starten, ohne einzeln zusammenzusuchen.
Was du am Anfang nicht brauchst: Washi Tape, Stempel, Schablonen, zehn verschiedene Brushpens. Das sind schöne Extras für später — aber kein Stift der Welt macht dein BuJo besser als der Inhalt, den du reinschreibst.
Dein BuJo aufsetzen — die ersten 5 Seiten Schritt für Schritt
Das Einrichten deines ersten Bullet Journals dauert ungefähr 20 Minuten. Nicht mehr. Hier sind die fünf Seiten, mit denen du startest:
1. Index (Inhaltsverzeichnis)
Reserviere die ersten zwei bis vier Seiten für dein Inhaltsverzeichnis. Jedes Mal, wenn du eine neue Seite beginnst, trägst du hier Thema und Seitenzahl ein. So findest du alles wieder — auch in drei Monaten noch. Beim Leuchtturm1917 BuJo sind die Seiten schon nummeriert und der Index vorgedruckt.
2. Key (deine Symbole)
Auf einer halben Seite definierst du deine Rapid-Logging-Symbole. Das Grundsystem von Ryder Carroll:
- • Aufgabe
- ○ Termin/Event
- — Notiz
- × erledigt
- > verschoben auf morgen
- < in den Future Log verschoben
Du kannst eigene Symbole ergänzen — zum Beispiel ein Ausrufezeichen für Prioritäten oder ein Herz für Dinge, die dich glücklich machen. Halte es einfach.
3. Future Log (Jahresübersicht)
Vier Seiten, aufgeteilt in sechs Monate pro Doppelseite. Hier trägst du Termine und Ziele ein, die weiter in der Zukunft liegen — Geburtstage, Ferien, Deadlines. Der Future Log ist dein Überblick fürs grosse Ganze.
4. Monthly Log (Monatsübersicht)
Eine Doppelseite pro Monat. Links eine Liste mit allen Tagen des Monats (1–31) für Termine. Rechts Platz für die wichtigsten Aufgaben und Ziele des Monats. Am Monatsende schaust du zurück: Was habe ich geschafft? Was verschiebe ich? Was streiche ich ganz?
5. Daily Log (Tageseinträge)
Hier passiert die eigentliche Magie. Jeden Tag schreibst du das Datum und darunter deine Aufgaben, Termine und Gedanken — mit den Symbolen aus deinem Key. Keine festen Kästchen, keine vorgegebene Struktur. Du brauchst viel Platz? Nimm dir eine ganze Seite. Es ist ein ruhiger Tag? Drei Zeilen reichen.

10 BuJo-Ideen, die wirklich nützlich sind
Neben dem Grundsystem sind es die Tracker und Collections, die ein Bullet Journal so vielseitig machen. Hier sind zehn Ideen, die sich im Alltag wirklich bewährt haben — keine Pinterest-Deko, sondern Seiten, die du tatsächlich benutzen wirst:
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Habit Tracker — Der Klassiker. Gewohnheiten wie «8 Gläser Wasser», «30 Min. Bewegung» oder «Keine Bildschirmzeit ab 21 Uhr» in einer Monatsübersicht abhaken. Macht sichtbar, wie konsequent du wirklich bist.
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Mood Tracker — Jeden Tag eine Farbe für deine Stimmung. Nach einem Monat erkennst du Muster: Montagstiefs, Wochenend-Hochs, den Einfluss von Schlaf auf deine Laune.
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Wochenplan — Eine Doppelseite pro Woche mit allen sieben Tagen und einer To-do-Spalte. Schlichter als ein Monthly Log, konkreter als ein Daily Log.
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Bücher-Liste — Gelesene Bücher mit Kurzbewertung. Klingt simpel, wird aber schnell zur Lieblings-Collection, weil du am Jahresende siehst, was dich wirklich bewegt hat.
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Dankbarkeits-Log — Jeden Abend drei Dinge notieren, für die du dankbar bist. Wissenschaftlich belegt als eine der wirksamsten Übungen für mehr Zufriedenheit.
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Ausgaben-Tracker — Tägliche Ausgaben in Kategorien (Essen, Transport, Freizeit). Kein aufwändiges Budget-System, sondern ein einfaches Bewusstmachen. Funktioniert in CHF genauso wie in Euro.
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Meal Planner — Die Woche vorplanen spart Zeit und Geld beim Einkaufen. Eine Seite pro Woche mit Montag bis Sonntag und einer Einkaufsliste daneben.
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Schlaf-Tracker — Einschlafzeit, Aufwachzeit, Schlafqualität. Nach zwei Wochen siehst du, ob dein Netflix-Marathon bis Mitternacht wirklich eine gute Idee war.
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Putzplan — Klingt unspektakulär, spart aber Diskussionen im Haushalt. Wöchentliche Aufgaben zum Abhaken, keine vergessenen Badezimmer mehr.
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Brain Dump — Eine Seite ohne Struktur, auf der du alles rauslässt, was dir durch den Kopf geht. Gedanken, Ideen, Sorgen, Einkaufslisten. Danach ordnest du: Was wird eine Aufgabe? Was kommt in den Future Log? Was kannst du loslassen?

Drei typische Anfänger-Fehler (und wie du sie vermeidest)
1. Zu perfekt sein wollen
Der grösste BuJo-Killer ist der Vergleich mit Pinterest und Instagram. Die Spreads dort sind von Leuten, die seit Jahren Bullet Journaling machen — und oft stundenlang an einer Seite sitzen. Dein BuJo muss nicht hübsch sein. Es muss funktionieren. Durchgestrichene Wörter, schiefe Linien, ein Kaffeefleck — das alles gehört dazu. Das ist kein Fehler, das ist dein echtes Leben.
2. Zu viele Tracker auf einmal starten
Zehn Tracker klingt motivierend, fühlt sich aber nach zwei Wochen an wie Arbeit. Fang mit einem oder zwei an — zum Beispiel Habit Tracker und Wochenplan. Wenn das zur Routine wird, kannst du im nächsten Monat einen dritten dazunehmen.
3. Das falsche Papier nehmen
Wer mit Markern auf 80 g/m² Papier arbeitet, erlebt schnell frustrierendes Durchscheinen. Wenn du farbig arbeiten willst, investiere gleich in ein Notizbuch mit mindestens 100 g/m² — oder nimm das Leuchtturm 120G. Wer nur mit Fineliner schreibt, kommt mit jedem Papier klar.

Starten — egal wann, egal wo
Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, um mit einem Bullet Journal anzufangen. Du musst nicht auf den 1. Januar warten, nicht auf den Monatsanfang und nicht auf den nächsten Montag. Du kannst heute starten. Jetzt. Mitten im Jahr, mitten in der Woche, mitten im Chaos.
Alles, was du brauchst, ist ein Notizbuch und ein Stift. Den Rest lernst du unterwegs.
Und wenn du dir das Zusammensuchen sparen willst: In unserer Bullet Journal Kategorie findest du Notizbücher, Stifte und Sets — alles aus unserem Schweizer Lager, in ein bis zwei Tagen bei dir.
Häufig gestellte Fragen
Wie fange ich mit einem Bullet Journal an?
Besorge dir ein Dotted-Notizbuch und einen Fineliner. Richte Index, Key, Future Log, Monthly Log und Daily Log ein — das dauert etwa 20 Minuten. Dann fang einfach an, deinen Tag mit dem Rapid-Logging-System zu notieren. Alles Weitere ergibt sich.
Welches Notizbuch eignet sich für Bullet Journal Anfänger?
Das Leuchtturm1917 Bullet Journal Edition 2 ist die sicherste Wahl: nummerierte Seiten, Index, 120 g/m² Papier, Stickerbogen. Wer es nachhaltiger will, greift zum naturalNote aus Apfelleder. Beide sind Dotted und A5 — das Standardformat fürs BuJo.
Welche Stifte brauche ich fürs Bullet Journal?
Zum Starten reicht ein schwarzer Fineliner (z.B. Sakura Pigma Micron in 0.3 mm oder 0.5 mm). Für Farbe und Akzente sind Zebra Mildliner ideal — die Pastellfarben sind sanft genug, um nicht zu dominieren. Alles weitere (Brush Pens, Washi Tape) ist optional.
Kann man ein Bullet Journal mitten im Jahr starten?
Ja, absolut. Das ist sogar einer der grössten Vorteile: Anders als ein vorgedruckter Kalender hat ein BuJo keine festen Start- und Enddaten. Du beginnst einfach dort, wo du gerade bist.
Was kostet ein Bullet Journal?
Ein gutes Notizbuch kostet zwischen CHF 25 und CHF 33, ein Fineliner ab CHF 2.50. Damit bist du startklar. Wer zusätzlich Mildliner (ab CHF 11.90 fürs 5er Set) oder einen Brush Pen (ab CHF 3.40) möchte, liegt bei rund CHF 40–50 für eine komplette Grundausstattung. Unser Einsteiger Set (CHF 44.–) enthält alles, was du brauchst.
Was ist der Unterschied zwischen einem Bullet Journal und einem normalen Notizbuch?
Ein Bullet Journal ist eine Methode — kein spezielles Produkt. Du kannst jedes Dotted-Notizbuch als BuJo nutzen. Spezielle Bullet-Journal-Editionen wie das Leuchtturm1917 bieten aber praktische Extras: nummerierte Seiten, vorgedruckten Index, Sticker für Monate und Wochentage, und Papier, das auf BuJo-Stifte optimiert ist.